Künftige Waidfrauen stehen ihren Mann

(v.l.) Prüferin Carmen Thomas Bechtoldt, sechs Prüflinge nach dem Schrotschießen, Wildmeister Siegfried Seibt
(v.l.) Prüferin Carmen Thomas Bechtoldt, sechs Prüflinge nach dem Schrotschießen, am unteren Bildrand drei Nachsuchenhunde
Anwärterin Theresa Schulze vor dem Schrotschuss

Von wegen … „reine Männersache“! In der aktuellen Ausbildungsgruppe der Jägerschule des Wildmeisters Siegfried Seibt, der seit mehreren Jahren auf der Ebernburg seine Kurse zum Erreichen des Jagdscheins anbietet, befanden sich auch sechs Jagdscheinanwärterinnen. Alle durchliefen den Kurs mit den sich anschließenden anspruchsvollen Prüfungsteilen in Theorie und Praxis. Waffenhandhabung und Waffengebrauch gehören dabei ebenso dazu wie Mitarbeit beim Hochsitzbau, das Anlegen von Biotopen oder der Umgang mit jagd- bzw. naturschutzrechtlichen Fragestellungen. Damit hatten sie ihr „Grünes Abitur“ in der Tasche und können nun an ihren Wohnorten Jagdscheine lösen. 

Prüfungsvorsitzender Kreisjagdmeister Prof. Dr. Hans-Joachim Bechtoldt konnte den frischgebackenen Jägerinnen und Jägern im Beisein der Vertreterin der Unteren Jagdbehörde, Brigitte Dörschug, die staatlichen Prüfungszeugnisse aushändigen. Er betonte bei seiner Ansprache, dass speziell auch die Teilnehmerinnen des insgesamt 18 Prüflinge aus Rheinland-Pfalz und Hessen umfassenden Kurses in den Schießdisziplinen Faustfeuerwaffe, Büchse und Flinte hervorragende Leistungen erbracht hätten. Insgesamt sei festzustellen, dass sich unter den jährlich rund 130 im Kreis Bad Kreuznach examinierten Prüflingen immer mehr junge Leute befänden und mittlerweile gut ein Drittel davon Frauen seien. Auch auf Jagden seien immer mehr Jägerinnen, Jagdhornbläserinnen und Hundeführerinnen anzutreffen.

In den überregional orientierten Kursen des Wildmeisters Seibt, gehören nun statistisch gesehen, seit Jahren Jagdscheinanwärterinnen zum festen Bestand. Entsprechend passt dabei ins Bild, dass zum festen Stamm der im Auftrag der Unteren Jagdbehörde Bad Kreuznach ehrenamtlich tätigen Jägerprüfungskommission erfahrene Jägerinnen zählen. Eine davon z. B. ist Monika Berg aus Spall, die das Fach Tier- und Naturschutz bzw. Landschaftspflege vertritt, die andere Carmen Thomas-Bechtoldt, die als Obfrau für Jagdliches Brauchtum auf Kreis- und Landesebene ihr Wissen in den Bereichen Jagdbetrieb, Brauchtum und Jagdhunde einbringt. Beide nutzen übrigens den Kontakt zu Prüflingen um für ihre Tätigkeitsschwerpunkte im ehrenamtlichen Bereich zu werben: Frau Berg sucht stets engagierte Mitarbeiter, die sie bei der Arbeit mit der „Rollenden Waldschule“, mit Dutzenden von Tierpräparaten in Kindergärten und Grundschulen gern gesehen, unterstützen. Frau Thomas-Bechtoldt rekrutiert bereits erfolgreich Jagdhornbläsernachwuchs zur Unterstützung der unterschiedlichen Bläsergruppen im Kreisgebiet. Jahrhundertealtes Brauchtum kann auf diesem Wege bewahrt und an Nachfolgegenerationen weitergegeben werden.